30. Oktober 2018

Die Weinanbaugebiete

Chinon

Die königliche Festung von Chinon; Foto: http://www.ville-chinon.com

Im Südwesten von Touraine in der französischen Weinbauregion Loire liegt das Weinbaugebiet Chinon. Die rund 2000 Hektar umfassende Appellation ist nach der mittelalterlichen Stadt Chinon benannt. Die hier erzeugten Weine gelten bei Kennern als wahre Schätze.

Oberhalb der Stadt sind heute noch die Ruinen einer Burg zu bewundern, in der Jeanne d’Arc und König Karl VII. Zum ersten Mal aufeinander trafen. Vom Ort dieses geschichtsträchtigen Treffens bietet sich dem Besucher von Chinon heute ein wundervoller Ausblick über die Stadt und die Weinberge der Appellation.

Die hier produzierten Weine zählen derzeit zu den Besten in ganz Frankreich. Oberhalb der Ufer der Vienne und für Besichtigungen offen, liegen die Weinkeller, in denen Chinons berühmte Cabernet Franc Rotweine gelagert werden. Diese Keller sind eigentlich Höhlen, die in den porösen Kalkstein gehauen wurden, um daraus die Steine für den Bau der Burg zu gewinnen. Vor allem die höher gelegenen Höhlen, deren Vorderfront viel Sonnenlicht erhielt, wurden vielfach auch als Wohnungen genutzt.

Sand- und Kiesböden in der Region Véron, dem ehemaligen Überschwemmungsland zwischen Loire und Vienne. Hier wachsen leichte Weine.

Kalkstein- und Tuffsteinhänge sowie angrenzende Plateaus um Cravant-les Côteaux, Sazilly und Beaumont-en-Véron. Hier entstehen mittelschwere Rotweine der Spitzenklasse mit einem hervorragenden Alterungsvermögen. In guten Jahrgängen kann ein hervorragender Chinon einige Jahrzehnte lagern.

Im Jahr 2002 wurden 108.609 hl Rotwein (bzw. kleine Mengen Roséwein) und 1.100 hl Weißwein aus der Rebsorte Chenin Blanc gekeltert.

Das Anbaugebiet liegt terrassenförmig auf beiden Ufern der Vienne, die etwas westlich von Chinon in die Loire mündet und mit der Loire ein keilförmiges Gebiet umschließt, wo die meisten Weinberge liegen. Der Wein kann von verschiedenen „Terroirs“ stammen. An der Vienne liegen sandige Kieselablagerungen, die hier „Varennes“ genannt werden. Östlich der Stadt bilden diese Kieselböden auf beiden Seiten einen Streifen – am linken Ufer schmal, am rechten etwas breiter – bis zum östlichen Ende des Appellationsgebiets bei L’Île-Bouchard. Am linken Ufer direkt gegenüber von Chinon liegt ein etwas ausgedehnteres Gebiet mit ähnlichen Böden. Ein drittes Varennes-Gebiet, der Véron, liegt westlich der Stadt und streckt sich praktisch bis zur Flussmündung aus. Weiter weg von Fluss und etwas höher liegen auf beiden Ufern die „Coteaux“, die Hänge. Sie bestehen aus lehmigen, kalkhaltigen Böden auf einem Kalksteinsockel. Auch das hinter den Coteaux gelegene Plateau besteht aus Kalkstein mit einem sandigen Boden, der „millarges“ genannt wird.

Die verschiedenen Terroirs, die in sich wieder viele Variationen aufweisen, ergeben auch verschiedenartige Weine. Die Kieselböden wärmen sich ziemlich schnell auf und die Trauben reifen hier relativ früh. Die fruchtigen Weine können einfache „Vins de soif“ sein, aber auch elegant und subtil. Die Weine von den Coteaux sind meistens körperreicher, vor allem wenn die Rebstöcke älter sind. Solche Weine werden oft in Holz ausgebaut und sind lagerungsfähig. Die besten Parzellen ergeben in den Händen von seriösen Winzern erstaunlich kraftvolle Weine.

Der Rosé wird meistens nach der Saignée-Methode erzeugt, wobei ein Teil des Mosts für den Rotwein nach einiger Zeit abgestochen wird, um als Rosé weiterverarbeitet zu werden. Dies hat den weiteren Vorteil, dass dadurch der Rotwein, wegen des geänderten Verhältnisses in der Maische zwischen Schalen und Most, konzentrierter wird. Der Weißwein, frischer und eleganter als die Chenins aus dem Anjou, ist mengenmäßig im Vergleich zum Rotwein unbedeutend.

Der Rotwein aus Chinon wird aus Cabernet Franc, der hier auch „Breton“ genannt wird, und Cabernet Sauvignon (maximal 10%) gekeltert. Dieselben Sorten sind auch für den Rosé aus Chinon zugelassen. Der Rotwein wird in der Regel im Holzfass ausgebaut, sodass er in guten Jahrgängen sehr lagerfähig ist. Für die Weißweine aus dieser Region wird Chenin Blanc verwendet.

Touraine Azay-le-Rideau

Der Touraine Azay-le-Rideau weiß ist ein trockner Weißwein. Er wird in der Kategorie der Stillweine geführt. Er wird im Weingebiet der Loire hergestellt, östlich von Chinon, auch Weingebiet „Touraine“ genannt.
Das 60 ha große Anbaugebiet wird auch gern als Weißwein Dependance von Chinon bezeichnet da Chinon kaum Weißweine hat und aufgrund dessen zu teuer sind.

Verwaltungsmäßig, darf er in den Gemeinden Azay-le-Rideau, Artannes-sur-Indre, Cheillé, Thilouze, Saché, Vallères, Lignières-de-Touraine und Rivarennes hergestellt werden. Seine Gebiet genießt ein temperiertes Klima mit ozeanischem Einfluss und seine Böden bestehen aus Kalklehm, Kalktuffstein und Feuersteinlehm.
Der Touraine Azay-le-Rideau weiß wird nur aus der Chenin blanc Traube hergestellt und besitzt das französische Label AOC (Appellation d’Origine Contrôlée- besonderes Anbaugebiet)sowie den europäischen Label AOP (Appellation d’Origine Protégée- geschützte Herkunftsbezeichnung).

Muscadet Sèvre-et-Maine

ist das Herzstück des Weinbaugebiets Pays Nantais. Nicht nur was die Menge betrifft – 85% der gesamten Produktion des Muscadets stammt aus dieser Appellation –, auch qualitativ steht Sèvre-et-Maine an erster Stelle.

Seit dem 23. September 1937 verfügt das Gebiet über den Status einer Appellation d’Origine Contrôlée (AOC). Das Weinbaugebiet liegt fast ausschließlich auf der orographisch linken Seite der Loire bei der Stadt Nantes. Auf einer bestockten Rebfläche von ca. 2.680 ha werden im Durchschnitt jährlich ca. 160.000 hl Wein geerntet. Die Produktionsmenge hat sich dabei seit Mitte der 1980er Jahre nahezu verdreifacht.

Das Muscadet Weingebiet unterscheidet unter verschiedenen Appellationen: Muscadet-Sèvre-et-Maine,  Muscadet-Côtes-de-Grandlieu, Muscadet-Coteaux-de-la-Loire  und die Muscadets ohne spezielle Denomination.

Zur Herstellung der trockenen Weißweine Muscadet Sèvre-et-Maine ist ausschließlich die Rebsorte Melon de Bourgogne zugelassen. Vor der Vergärung muss der natürliche Mindest-Zuckergehalt des Mosts 144 g/l betragen, was einem Alkoholgehalt von 9 Vol. % im Wein entspricht. Falls in schlechten Jahren einer Chaptalisation (Trockenzuckerung) zugestimmt wird, darf der Alkoholgehalt des fertig vergorenen Weines nicht 12 Vol. % übersteigen. Die Pflanzdichte wurde auf 6500 – 7500 Rebstöcke/Hektar festgelegt. Der Ertrag ist auf 65 hl/ha beschränkt und liegt somit höher als in den anderen Muscadet Appellationen. In gewissen Jahren kann dieser Betrag bis auf 78 hl/ha korrigiert werden.

Um die Bezeichnung „Muscadet-Côtes de Grandlieu sur lie“ tragen zu dürfen, müssen die Weine strengeren Ertragseinschränkungen unterliegen und nach der Vergärung mindestens bis zum 1. März des der Ernte folgenden Jahres im Gärbehälter im Kontakt mit der Gärhefe verbleiben. Die Flaschenabfüllung erfolgt unmittelbar nach dem Abstich jedoch spätestens am 30. November des der Ernte folgenden Jahres. Der längere Kontakt mit der Hefe und den Schalen verleiht dem Wein ein komplexeres Aroma und eine größere Frische. Außerdem behält der Wein einen leichten Kohlensäuregehalt, so dass der Wein leicht prickelt.
Leider praktizieren einige Händler eine andere Technik. Die Weine werden bei den einzelnen Winzern von den Schalen und der Hefe abgezogen und zu den Kellern der Händler gebracht. Erst nachdem eine genügend große Charge eingeholt wurde, wird dem Wein wieder Kohlendioxid hinzugegeben um dem Wein sein feines Moussieren wieder zu geben. Das Ergebnis ist allerdings längst nicht so gut. Erstklassige „Muscadet sur lie“ können daher nur Erzeugerabfüllungen sein, die man am Etikett mit dem Vermerk „Mise en bouteille au Château“ oder „Mise en bouteille au Domaine“ erkennt.
Ein Muscadet ist in der Regel ein einfacher und unkomplizierter Wein, der durch seine Frische, Fruchtigkeit und durch sein leichtes Moussieren besticht. Er ist ein guter Begleiter von Meeresfrüchten und wird aufgrund seines nicht zu hohen Alkoholgehalts lokal auch als Durstlöscher geschätzt. Am besten trinkt man ihn jung und frisch bei einer Trinktemperatur von 8 – 10°C.

Die steinigen Böden mit ihrer differenzierten Zusammensetzung sind für den Weinanbau sehr geeignet, und das gilt auch für das milde, vom Golfstrom geprägten Klima. Seit einigen Jahrzehnten setzen weitsichtige Winzer, dieses Potenzial um. Nach vielen Versuchen mit Sonderabfüllungen mit Bezeichnungen des Bodentyps und der Lage auf dem Etikett, kristallisierte sich jetzt eine Art Villages-System heraus, wobei die Nennung der Ortschaft als „Cru communal“ eine Garantie für einen hochwertigen, terroirtypischen Wein ist.

Abgesehen von ganz allgemeinen Gemeinsamkeiten – die Rebsorte, der Ausbau „sur lie“ – kann man die Stilistik der „Appellation Sèvre-et-Maine“ kaum zusammenfassen. Der Melon de Bourgogne hat nicht wie etwa der Sauvignon einen sehr ausgeprägten Eigencharakter, sondern drückt gefügig die Umgebung aus, wo er wächst. Die Geologie der Region ist dermaßen komplex, dass die Bodentypen und damit die Weine sehr unterschiedlich sind. Es gilt, gerade diese Terroir-Unterschiede in den Weinen herauszuarbeiten. Genau das beabsichtigt der Vorstoß zur Etablierung von 7, in der Zukunft vielleicht 9, „Crus communaux“. Der Zusatz des Namens auf dem Etikett soll erstens ein Hinweis auf den eigenständigen Terroir-Typ sein und zweitens eine Garantie für sorgfältige, streng reglementierte Arbeit im Weinberg und im Keller. Zurzeit sind drei „Crus communaux“ offiziell anerkannt:  Clisson, Le Pallet und Gorges. Die anderen sollen bald folgen.

 

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