Entonneurs unterwegs gen Osten

Entspanntes Gleiten durch verwunschene Fließe und einzigartige Landschaften.

Von Margot Rothweiler
Foto: Bon Entonneurs

REISEBERICHT Ausflug in die Lausitz begeistert die Besucher aus Hofheim und Kriftel

HOFHEIM – Im September 2017 fand ein Zusammentreffen der „Bon Entonneurs Rabelaisiens de Chinon“ in Hofheim statt. Diesmal lud die Bailliage Berlin-Brandenburg zum Treffen in Großräschen in der neu entstehenden Lausitzer Seenlandschaft ein.

20 Entonneurs aus Hofheim und Kriftel ergriffen die Gelegenheit und nutzten den Aufenthalt dafür, diese schöne Landschaft etwas besser kennenzulernen. So fuhren sie schon zwei Tage vor dem offiziellen Beginn des Treffens am Mittwoch, 6. Juni, gen Osten.

Der Empfang im großzügigen Seehotel am Großräschener See ließ die Anstrengung der langen Fahrt schnell in Vergessenheit geraten.

Der See ist eine ehemalige Braunkohlengrube, die seit zehn Jahren kontrolliert geflutet wird. Obwohl der See noch nicht ganz vollgelaufen ist, gibt es schon einen kleinen Hafen, eine Strandpromenade und hübsche Restaurants. Im August dieses Jahres soll mit einem großen Fest das Strandbad Großräschen eröffnet werden.

Bei strahlendem Sonnenschein ging es am Donnerstag in den Spreewald. Von Lübbenau aus folgten die Hessen den Spuren Theodor Fontanes. Auf einem Kahn, die Tische hübsch gedeckt und mit einem großen Picknickkorb versehen, glitten sie zunächst durch schmale verwunschene Fließe (kleine Wasserläufe) und genossen den Frieden dieser einzigartigen Landschaft. Erst in dem Spreewalddorf Lehde erkannte man, dass man nicht allein unterwegs war. Viele Kähne, die in Lübben gestartet waren, lagen hier, und deren Gäste besuchten die Restaurants und Andenkenläden.

Das karge Leben der früheren Spreewaldbewohner, das im Freilichtmuseum anschaulich gezeigt wird, beeindruckte die Hofheimer Gruppe. Waschbrett, Holzöfen und Kreiselspielen erinnerten viele auch an die eigene Kindheit.

Romantisches Mühlenensemble

Auch am Abend gab es ein Relikt der Vergangenheit zu besuchen. Die über 150-jährige Dörrwalder Mühle ist liebevoll restauriert und kann besichtigt werden. Gleichzeitig ist das romantische Mühlenensemble heute Restaurant und Hotel und wird für verschiedene festliche Anlässe genutzt. Nach der Führung durch die Mühle gab es ein leckeres Drei-Gang Menü und natürlich Wein, der bedingt durch die sommerlichen Temperaturen ausnahmsweise auch mit Eiswürfeln gekühlt wurde.

Nach dem ländlichen Donnerstag wurde es am Freitagvormittag hochherrschaftlich. Schloss und Park Branitz, letzter Wohnsitz des Fürsten Pückler-Muskau waren das Ziel. Hier hat der preußische Schriftsteller, Lebemann, Frauenheld und vor allem Gartengestalter sein Lebenswerk vollendet. Im märkischen Sand entstand eine englische Parklandschaft mit acht Kilometer Wasserwegen. Auf diesen fuhr die Gruppe aus Hofheim mit einer Gondel für 20 Personen unter niedrigen Brücken bis zum See, in dem sich die Grabpyramide Pücklers erhebt. Die ebenso berühmte Landpyramide überblickt See und Park. Auf deren Aussichtsplattform speiste der Fürst hin und wieder. Diese und viele andere Details aus seinem abenteuerlichen Leben erzählte eine Führerin im Kostüm der Fürstin. Das stilgerecht renovierte Schloss vermittelt einen guten Eindruck vom Leben, das Fürst Pückler hier geführt hat.

Beim anschließenden Imbiss im Cavaliershaus genoss natürlich auch der eine oder andere Gast das original Fürst Pückler Eis, zu dem der Fürst allerdings nur seinen Namen gegeben hatte.

Am Nachmittag trafen dann auch die Teilnehmer aus Berlin-Brandenburg, Saarbrücken und Chinon im Seehotel ein.

Beim Abendessen in einem Restaurant am See genossen die Weinbrüder und -schwestern bei sommerlichen Temperaturen das leckere Grillbüfett und das freundschaftliche Zusammensein.

Der Samstag war der landschaftlichen Besonderheit dieses Teil der Lausitz gewidmet. Dem Braunkohleabbau und der Rekultivierung der ehemaligen Gruben. Dort, wo früher das Dorf Wolkenberg stand, wird heute Wein angebaut.

Seit 2005 hat hier der Energiekonzern Vattenfall gemeinsam mit der Hochschule Geisenheim und der BTU Cottbus einen sechs Hektar großen Weinberg angelegt. Unter den dort angebauten Weißweinsorten ist der Rote Riesling eine besondere Rarität. Diesen und zwei andere Weine probierten die Weinkundigen am Fuße des Weinbergs in einer kleinen Probierhütte sitzend. Die drückende Hitze führte allerdings dazu, dass die Nachfrage nach Wasser größer war als die nach Wein.

Nach der Weinprobe rollten zwei geländegängige Fahrzeuge heran, um die Gruppe in das Gebiet des Tagebaus zu fahren, wo immer noch Braunkohle abgebaut wird. Die Mondlandschaft aus Sand und Geröll und die riesigen Kräne und Bagger wirken ziemlich futuristisch.

Ehrenwein erweckt die Lebensgeister

An dem großen Festabend, der um 18 Uhr im Fälschermuseum des Seehotels begann, waren viele Beteiligte zunächst nach der Hitze des Tages etwas müde. Aber der Ehrenwein, getrunken in der Betrachtung der Nachtwache von Rembrandt oder der „Goldenen Adele“ von Klimt, weckte wieder die Lebensgeister. Vier Saxophonisten begleiteten den Einzug der Würdenträger in den roten Roben in den Festsaal und sorgten auch den Rest des Abends für gute Unterhaltung.

Das offizielle Kapitel schloss wie immer mit dem Singen des Chinonlieds, und dann durfte bei gutem Essen und gutem Wein nur noch gefeiert werden.

Bei der Verabschiedung am Sonntag freuten sich viele schon auf ein Wiedersehen. Und die Hofheimer Reisenden waren sich sicher, dass dieser Teil Deutschlands es verdient, öfter besucht zu werden.

 

%d Bloggern gefällt das: