1. Seminar „Lernen, Wissen und Erleben vor Ort“

20160611_112417Am 11. Juni stand für unsere Bruderschaft das erste Kapitel unseres neuen Seminars auf dem Programm „Lernen, Wissen und Erleben vor Ort“. Streng unserem Glauben, nur gute Produkte schmecken und erfreuen Körper und Seele, haben wir uns in Kremmen über die Herstellung von Milch informiert. Nur ein Betrieb, der alle Türen öffnet, hat nichts zu verbergen. Und so konnten wir uns davon überzeugen, wie heute moderne Massentierhaltung versucht, artgerechte Haltung zu integrieren, damit wir Verbraucher täglich unsere Millionen Liter Milch bekommen. Ort des Besuchs: Milchviehanlage Kremmen GmbH.

Die erste Lektion lernte unser Weinbruder Ralf, als er das Auto am Spargelhof Kremmen abstellte (Groß-Ziethener-Weg 1) und glaubte, mit seiner Frau den Weg bis zur Hausnummer 3 kurz zu Fuß zurücklegen zu können. Auf dem Land sind zwei Hausnummern Entfernung schon einmal gut 20 bis 30 Minuten Fußweg, da sollte man den Parkplatz gut auswählen.

KarussellAn diesem Standort in Kremmen sind fast 1.800 Milchkühe und 500 Kälber stationiert. Täglich werden hier rd. 48.000 Liter Milch gewonnen und an die Müller-Milch in Sachsen abtransportiert, die derzeit vertraglich die Kremmener Milch erworben hat. Da die Verträge keine Festpreise, sondern variable Preise enthalten, ist die Milchviehanlage voll durch den aktuellen Preisverfall betroffen und muss die Einnahmeausfälle durch Bankkredite ausgleichen. Gleichwohl können aktuell alle Arbeitsplätze (50 Festangestellte, 3 Azubis und 5 geringfügig Beschäftigte) zum Wohl der Menschen und Tiere erhalten werden.

Im Rahmen der Nachhaltigkeit werden Futtermittel weitestgehend selbst produziert, aus Mist und Dung werden Strom und Gas hergestellt. Kaltes Grundwasser dient der Kühlung der Milch, durch das Gas kann eigene Wärme produziert werden. Der Strom wird an das öffentliche Netz gegen entsprechende Entgelte abgegeben. Teile des Mistes können auf den Feldern zur Düngung eingesetzt werden. Für die entsprechende Technik inkl. moderner Stallanlagen und eines neuen Melkkarussels wurden in den letzten Jahren große Geldbeträge investiert.

20160611_1232501.000 ha stehen für den Futteranbau zur Verfügung. Daraus wird auch das Winterfutter hergestellt und eingelagert. Zusätzlich sind 700 Jungrinder an einem weiteren Standort zur Nachzucht bis zwei Jahre Bestandteil des Betriebs. Eine Kuh wird im Alter von rd. zwei Jahren in die Milchproduktion übernommen und ist hier vier Jahre aktiv. Im Alter von sechs Jahren müssen sie den Betrieb verlassen und werden an Schlachtereien veräußert. Das heißt, jedes Jahr müssen 25 % des Milchviehbestandes ausgetauscht werden.

Auch wenn die Tiere sehr dünn aussehen, sind sie gut genährt. Die hier gehaltenen Kuharten sind spezielle Milchkühe und keine „Fleischkühe“. Deshalb behalten sie auch ihre schlanken Hüften.

20160611_115123Die Kühe können sich in den Stallungen frei bewegen. Wenn das Gatter geöffnet wird, gehen sie selbständig zum Melkkarussell, besteigen einen freien Platz und verlassen diesen nach dem Melken und einer Runde Karussell fahren. Dann gehen sie langsam in den Stall zurück, lassen sich ein wenig von einem „Automaten“ massieren und suchen sich einen Platz, wo sie ruhen und fressen können. Während des Melkvorgangs, der zweimal je Kuh am Tag durchgeführt wird, werden die Stallungen gesäubert. Entsprechend reinlich erscheinen Kühe und Stallungen.

In der milchfreien Zeit dürfen die Kühe einige Monate auf die Weide; entweder der Bulle oder die Besamungsingenieurin schaut einmal vorbei. Wünschen würde man es den Tieren, der Bulle hätte die Zeit…

Nach dem Kalben werden die männlichen Tiere getrennt und aufgezogen. Als Festesser, der Milch entzogen, werden sie an Betriebe der Fleischtiererzeugung verkauft. Einige dürfen auch zur Vermehrung im Betrieb bleiben. (Wir hatten das Glück, ein gerade erst geborenes Jungkalb in der Stallanlage für gebärende Kühe begrüßen zu dürfen.)

20160611_120027Die weiblichen Tiere können auf der Weide große Kühe werden, bis sie mit zwei Jahren in die Milchproduktion überführt werden. Hier bekommen sie dann selbst ihr erstes Kalb. Dann verbleiben sie vier Jahre in der Milchproduktion. In dieser Phase werden sie nach dem Kälbern erst einige Wochen gesondert gehalten. In dieser Zeit geht die Milch direkt an die Kälber (gesonderte Melkanlage), da sie viele Vitamine und notwendige Nahrungsbestandteile für junge Kälber enthält. Diese Milch würde uns Menschen zu bitter zum Trinken sein.

Nach wenigen Wochen wird die Milch für uns Verbraucher in „Menschenqualität“ gewonnen. Erst, wenn die besonderen Bestandteile für Jungkälber zurückgehen, ist die Milch für uns Menschen bekömmlich. Nun ist sie die effektive Milchkuh, die rund 200 Liter Milch am Tag gibt. Geht die Milchmenge zurück, darf sie wieder auf Besuch des Besamungsingenieurs oder des Bullen hoffen und die Kuh geht auf die Weide in die „milchlose“ Zeit zurück.

Hat sie gekalbt, beginnt der Turnus von vorn.

Nach sechs Lebensjahren kommt dann leider die Zeit des Abschieds und die Kuh wird zur Schlachterei verbracht.

Fazit: Natürlich kann man sich wünschen, die Kühe bleiben lebenslang auf der Weide und werden von Hand gemolken. Die Mengen an Milch, die wir Menschen aber benötigen, können so nicht gewonnen werden. Aber viele Kühe stehen in anderen Betrieben fest in Ställen und haben keine Bewegung, sehen noch nicht einmal in ihrem Leben eine Weide. Der Spagat von wirtschaftlicher Nutztierhaltung und artgerechter Haltung dürfte in Kremmen wohl gelungen sein.

Wir müssen uns aber eins vor Augen halten: Bei den aktuellen Milchpreisen kann dieser Betrieb nur mittelfristig mit Krediten der Banken überleben. Bleiben die Milchpreise auf dem aktuellen Stand, sterben die Betriebe, die sich den Luxus von Weidehaltung und tiergerechter Stallpflege gönnen, an erster Stelle. Überleben werden nur die Betriebe, die unsere Kühe in intensiver NUR-STALL-HALTUNG ausplündern. Wollen wir das?

20160611_141006Im Anschluss trafen wir uns in geselliger Runde im Spargelhof Kremmen, wo wir a la carte die Spargelkarte intensiv prüfen konnten. Jeder hat nach seinem Geschmack ausgewählt und so rundete dieser Besuch einen gelungenen Tag des Lernens, Wissens und Erlebens vor Ort in der Mark Brandenburg ab.

 

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